Branche der unabhängigen Vermögensverwalter in Deutschland wächst stetig weiter

Pressemitteilung von Hochschule Aschaffenburg Institut für Vermögensverwaltung

Kategorie: Finanzen, Recht, Versicherungen



(Mynewsdesk) Aschaffenburg, 16.08.2017. Zwei von drei unabhängigen Vermögensverwalter in Deutschland konnten 2016 ihre Kundenanzahl steigern. Und über 90 Prozent erwarten, dass sich dieses Kundenwachstum in den kommenden Monaten fortsetzt. Entsprechend verzeichneten 8 von 10 Gesellschaften einen Anstieg des verwalteten Vermögens. Neben dem Gewinn von Neukunden war die Aufstockung von bereits bestehenden Mandanten hierfür ausschlaggebend. Einen ungebrochenen Optimismus der Branche zeigen die jetzt veröffentlichten Forschungsergebnisse des Instituts für Vermögensverwaltung (InVV, www.h-ab.de/forschung/institute/institut-fuer-vermoegensverwaltung/ (https://www.h-ab.de/forschung/institute/institut-fuer-vermoegensverwaltung/)). Zum vierten Mal seit 2014 befragte dazu das Aschaffenburger Forschungsinstitut unter der Leitung von Prof. Dr. Hartwig Webersinke jedes dritte Unternehmen mit staatlicher Zulassung in Deutschland.

 

„Unabhängigen Vermögensverwaltern bieten sich in den kommenden Jahren hervorragende Chancen, nachhaltig Marktanteile zu gewinnen“, erklärt Prof. Dr. Hartwig Webersinke, zugleich Dekan an der Hochschule Aschaffenburg. Einige Rahmenfaktoren, die den positiven Blick der Branche auf die eigene Entwicklung unterstützen, seien: Die klassischen Banken und Sparkassen durchlebten einem fundamentalen Wandel. Das Bewusstsein, dass eine gute Beratung etwas koste, sei bei vermögenden Privatanlegern zunehmend vorhanden. Vermögensverwaltung sei angesichts des Niedrigzinsumfeldes immer schwieriger. „Wer sich einem unabhängigen Vermögensverwalter anvertraut, hat bei identischem Risiko eine realistische Chance auf höhere Renditen als ein Privatanleger oder Kunde, der sich an eine vertriebsgetriebene Institution wendet“, ist sich Webersinke sicher.

 

Immobilienkauf und Tod des Mandanten bedrohen Kundenbasis

 

Die Mehrheit der Vermögensverwalter gewinnt ihre Kunden von Großbanken (durchschnittlich 60%), aber auch Sparkassen (durchschnittlich 43%) sowie Volks- und Raiffeisenbanken (durchschnittlich 37%) werden als Hauptquellen genannt. Mehrfachnennungen waren möglich. 9 von 10 Kunden finden über eine Empfehlung ihren Weg zum unabhängigen Finanzexperten. Soziale Netzwerke tragen bei den eher größeren Gesellschaften mittlerweile mit durchschnittlich 10% zum Kundenwachstum bei. Bei den ersten InVV-Befragungen 2014 und 2015 hatte dieser Weg noch kaum eine Rolle gespielt.

 

Die zentralen Herausforderungen stellen für unabhängige Vermögensverwalter dagegen der kundenseitige Kauf einer Immobilie durch sowie der Tod der Mandanten dar. Wenn er Kunden verliert, sind dies zu durchschnittlich 80% beziehungsweise 65% die Ursachen. Dagegen geht nur jeder fünfte Kunde wegen einer schlechten Rendite verloren. Offensichtlich machen Vermögensverwalter an dieser Stelle einen guten Job. Die befragten Häuser erzielten im Vorjahr im Mittel eine Rendite zwischen 5% und 6% für die Kundenportfolios. Nach Abzug aller Kosten blieb den Kunden eine Rendite von bis zu 5% – für das sehr stark schwankende Jahr 2016 durchaus respektabel. 2015 hatte dieser Wert noch bei 4,6% gelegen.

 

Vermögensverwalter wollen digitaler werden

 

Wie im Vorjahr fühlte sich die Mehrheit der Vermögensverwalter in ihrem Geschäftsmodell nicht beziehungsweise kaum durch Robo Advice bedroht und plant daher keine Veränderung des eigenen Geschäftsmodells. Dagegen nahm der Anteil der Gesellschaften von 25% auf 41% deutlich zu, die ihr Unternehmen in Zukunft digitaler aufstellen wollen. Neben Robo Advice zählten die Befragten dazu Projekte wie einem Kundenlogin auf der Website, interne Prozessdigitalisierung, Apps/Tools für Kunden oder einen eigenen Social Media Auftritt. Die Mehrheit der Vermögensverwalter (54%) ist der Meinung, dass computergesteuerte Vermögensverwaltung in einem Zeitraum von 3 bis 5 Jahren in Deutschland eine größere Rolle spielen wird. Bei der Vorjahresbefragung hatten die Unternehmen größtenteils noch 5 Jahre und mehr angegeben.

 

Jeder zweite Vermögensverwalter verbessert Eigenkapitalrentabiliät

 

Die eigene wirtschaftliche Lage schätzt die Mehrheit der Vermögensverwalter (65%) gegenwärtig als gut bis sehr gut ein. Ein Drittel bezeichnet sie als solide, schlecht dagegen keiner. Für die nächsten 12 Monate sieht die Mehrheit der Vermögensverwalter (72%) zudem eine positive Entwicklung. 50% der Vermögensverwalter gaben bei der diesjährigen Befragung an, eine Verbesserung der Eigenkapitalrentabilität vor Steuern erzielt zu haben. Die absolute Höhe hing jedoch stark von der Größe der Gesellschaft ab. In der Gruppe der Gesellschaften, die ein Volumen von 50 bis 150 Millionen Euro betreut, gaben die meisten Befragten eine Eigenkapitalrentabilität von 10% bis 20% an. Bei kleineren und größeren Gesellschaften lag diese in der Mehrzahl bei über 30%. Die Cost-Income-Ratio, also das Verhältnis von (Verwaltungs-)Aufwand zu den Erträgen, lag im Median in allen Größenklassen in einer Bandbreite von 66,5 bis 80.

 

Kundenanzahl, betreutes Vermögen sowie Mitarbeiteranzahl der befragten Teilnehmer

 

2017 beteiligten sich 142 und damit wieder jeder dritte Vermögensverwalter in Deutschland an der wissenschaftlichen Umfrage. Diese betreuen im Median 210 Kunden. Insgesamt stehen die Befragungsteilnehmer für über 90 Mrd. Euro an Kundenvermögen, was im Median ein verwaltetes Vermögen pro Vermögensverwalter von rund 150 Mio. Euro darstellt. Dabei ist die Branche sehr divergent. Dominiert wird sie insbesondere von einigen wenigen Vermögensverwaltern mit einem Kundenvolumen von mehreren Milliarden Euro. Der Großteil der Vermögensverwalter ist jedoch deutlich kleiner. 44% der in diesem Jahr befragten Vermögensverwalter betreuen ein Kundenvermögen von weniger als 150 Mio. Euro. Auf den Bereich von 150 Mio. bis 500 Mio. Euro entfallen weitere 35% der Teilnehmer, so dass nur 15% der Vermögensverwalter mehr als 500 Mio. Euro verwalten. 6% der Teilnehmer machten zum verwalteten Vermögen keine Angaben. Im Median beschäftigte ein Vermögensverwalter im Jahr 2016 7 Mitarbeiter.

 

Statistischer Hinweis zur Auswertung

 

Beim Median handelt es sich um einen Mittelwert für Verteilungen in der Statistik. Der Median einer Auflistung von Zahlenwerten ist derjenige Wert, welcher an der mittleren Stelle steht, wenn man die Werte der Größe nach sortiert.

 

Grundsätzlich bilden die Daten der vierten Vermögensverwalterbefragung die Grundstruktur des Marktes ab. Jedoch haben sich in diesem Jahr schwerpunktmäßig auch die großen Vermögensverwalter beteiligt, was sich in einem Anstieg der obigen Werte auswirkte.

 

Institut für Vermögensverwaltung (InVV) an der Hochschule Aschaffenburg

 

Das Institut für Vermögensverwaltung (InVV) wurde 2014 an der Hochschule Aschaffenburg gegründet. Um die Wahrnehmung in der Öffentlichkeit weiter zu fördern sowie die Informationen um das Marktsegment unabhängige Vermögensverwalter wissenschaftlich zu vertiefen, hat die V-BANK AG ( www.v-bank.com (https://www.v-bank.com/)) die Einrichtung initiiert und finanziert seither dessen Arbeit. Ebenfalls unterstützt und begleitet der Verband unabhängiger Vermögensverwalter Deutschland e.V. ( www.vuv.de (https://www.vuv.de/)) die Forschungsarbeit. Seit 2014 befragt das InVV einmal jährlich alle Vermögensverwalter mit staatlicher Zulassung in Deutschland zur Kunden-, Mitarbeiter- und allgemein zur geschäftlichen und Marktentwicklung.

 

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